Eine historische Übersicht Zu den Wissenshaltern Des Großen Geheimen
Mantras In der Pracht ihrer weißen Roben
und Langen Haare
Ein kurzer mündlicher Kommentar von Kyabje Kunzang Dorje Rinpoche
Seit der Zeit des Zusammentreffens der drei Meister Khenpo Shantarakshita, Lopön Padmasambhava und Dharmakönig Trisong Detsen in Tibet im achten Jahrhundert unserer Zeit, gibt es zwei Abteilungen des Sanghas, nämlich den monastisch orientierten Sangha, mit geschorenem Haupt und gekleidet in Safran farbige Gewänder (rab byung ngur smig gi sde) und den Sangha der weiß gekleideten Ngakpas, die ihr Haar zum Zopf flechten (gos dkar lcang lo’i sde).
Im inneren und äußeren Kham kennt man diese Ngakpas als ‚Amnyes’ (a myes). In Ngari heißen sie‚ Jopas’ (jo pa) und in den Zentralprovinzen Ü und Tsang‚Ngakchang’ (sngags ‚chang). In Bhutan, Sikkim und anderen benachbarten Königreichen sind diese Art Praktizierende als ‚Serkhyimpas’ bekannt.
Während und nach der Herrschaft von Dharmakönig Trisong Detsen (790-858) nahmen
beide Sanghas eine gleichberechtigte Stellung ein. Das geht aus den historischen
Quellen eindeutig hervor. Darüber hinaus flocht König Ralpachan (813-836)
Seidenbändchen in die Enden seiner Zöpfe und forderte in einem bedeutungsvollen
Opfer Mitglieder beider Sanghas auf, darüber zu gehen und sich darauf nieder zu
setzen. Dies erscheint in allen verlässlichen Quellen der monarchischen Annalen.
Nach historischen Berichten gab es vier verschiedene ‚Jopa’ Praktizierende, die für die Dharmakönige von Guge und Gungthang zur Umkehrung widriger Umstände wirkten. Gleichermaßen wusste man in Unter-Nangchen und Derge, dass es dort vier verschiedene Lamas in der Zentralregion, vier Minister im mittleren Gebiet und vier‚Amnyes’ im unteren Teil des Tals gab, die für die Dharmakönige aktiv waren.
Diese Ngakpas führten die drei esoterischen ‚Do’ Rituale an Orten aus, die die dreieckige Form eines‚ Ham Khungs’ bilden. Wenn sich die Zeichen häufen, dass hinderliche Kräfte wie Götter und Dämonen die Praxis an einem bestimmten Ort behindern, dann können Yogis außerordentlich hilfreich sein, die über Scharfsinn. Schnelligkeit und die Befähigung zu zornvoller Aktion verfügen.
Man sagt, dass es in Zentral-Tibet während der Herrschaft von Drogon Chogyal Phagpa (1235-1280) in den vier Richtungen von Drogon Tsang vier große Ngakpas gab. Zur Zeit des Großen Fünften Dalai Lamas (1617-1682) gab es ebenfalls vier Ngakchangs, die die vier Richtungen von Serkhang unter ihrer Obhut hatten. Diese Ngakpas führten Heilungen und Zeremonien zur Aufhebung von Hindernissen durch, und zwar in Form von Ritualen, wie allein Ngakpas sie ausüben können.
Darüber hinaus, leiten traditionsgemäß ausschließlich Ngakpas die so genannten
Aktionsrituale, die sich mit den sieben Arten von Missetätern (nyams pa bdun)
beschäftigen. Zu diesen zählen Wesen, die den Lehren des Buddhas widersprechen;
Wesen, die ihre Samaya-Gelübde gebrochen haben; Feinde der Drei Kostbarkeiten [von
Buddha, Dharma und Sangha]; persönliche Feinde des Lehrers, die zehn zu
vernichtenden Feinde; sowie feindselige [ortsgebundene] Beschützerwesen. Durch die
Aktion des Zerstörens, durch Rituale der Unterdrückung, durch Verbrennen und
Werfen werden die Form und Aggregate der Übeltäter restlos vernichtet und in
Staubteilchen zerrieben, dass nicht einmal ihr Name mehr erhalten bleibt. Dann wird
ihr Bewusstseinsstrom in Dharmadhatu befreit.
(Was die Aktion des Unterdrückens anbelangt): Zuerst befiehlt man durch die Kraft der Drei Wahrheiten die anstößigen Feinde und Hindernisse durch Anrufung herbei.Einmal herbeigerufen, bindet man sie mit Mudra und verbannt sie neun Ebenen unter die Erde, woher sie niemals wieder hervor kommen können.
(Was die Aktion des Verbrennens anbelangt): Die hinderliche Wesenheit wird ebenfalls durch die Kraft der Wahrheit herbeizitiert und mit Mudra gebunden. Schließlich zerstört man sie mit Hilfe der so genannten] Me Lha-Methode.
(Was die Aktion des Werfens anbelangt): Sie werden herbeibefohlen und unterworfen. Anschließend bannt man sie in ihr Ebenbild in Form eines besonderen Tormas. Dann wirft man das Torma.
Es ist eine Methode großen Mitgefühls, wenn man die gefürchteten Feinde der
buddhistischen Lehre und von buddhistischen Praktizierenden, vor allem aber Wesen
vernichtet, die für den Lama eine Bedrohung darstellen. Man tut dies durch die
Verbindung geschickten Wirkens mit den drei Aspekten klarer Visualisierung. Rasend
zornvolle Aktionen dieser Art, durchtrennen das unheilsame Karma und
transformieren das übelgesinnte Wesen in den Zustand dauerhaften Glücks. Ngakpas
sind für ihre Aktionen des Unterdrückens, Verbrennens und Werfens bekannt. Diese
repräsentieren einen Hauptteil ihrer täglichen Aufgaben.
Aktionen mit ‚magischen Waffen’
Die Aktion mit magischen Waffen zur Umkehrung [widriger Umstände] lässt sich verschieden klassifizieren, nach neun, sieben oder einer Kategorie der Umkehrung, und so weiter. Zu den neun magischen Waffen der Umkehrung gehören die ‚Mantra- Waffe’ (thunn zor), die Stein-Waffe’ (rdo dzor), die ‚Blut-Waffe’ (khrak zor), phung zor, die‚Dornen-Waffe’ (tsher zor), die ‚weiße Senfkorn Waffe’ (yung zor), die Pfeil-Waffe (mda zor), die ‚Opferkuchen-Waffe’ (gtor zor) und die ‚Gift-Waffe’ (gug zor).
Darüber gibt es eine magische ‚Allzweck-Waffe’, das so genannte ‚zornvolle Horn des lärmenden Gelages’ (khro bo rol ba’i rwa zor). Dazu eignen sich besonders das rechte Horn eines Drong oder eines Yak aus den Dschungeln in Südtibet, ein so genanntes ‚Kyilgyi Sin’. Wenn diese nicht zu bekommen sind, tun auch das rechte Horn eines gewöhnlichen Yak, Dzo oder Ochsen ihren Dienst. Gemäß den Lehren der inneren Tantras füllt man das Horn mit Giften, Blut und verschiedenen anderen magischen Substanzen, und am Ende [des Rituals] wirft man diese Substanzen.
Vom Blut gibt es zwei Arten, nämlich giftiges Blut und gemischtes Blut. Das giftige Blut ist eine Mixtur von drei schwarzen Giften: tsenduk nagpo, tharnu nagpo und bongwa chen nagpo. Am besten ist, wenn man alle drei beisammen hat. Kann man nicht alle drei bekommen, so braucht man zumindest zwei von drei. Diese Giftpflanzen gedeihen nur in Schluchten, Klammen und anderen Orten, wo keine Sonnenstrahlen hinreichen.
Zum so genannten gemischten Blut gehört das Herzblut eines Kriegers, der im direkten
Kampf Mann gegen Mann umgekommen ist. Kann man dieses nicht bekommen,
braucht man zumindest das Blut eines Menschen, der vermittels eines der drei
folgenden Dinge zu umgebracht wurde: durch Pfeil, Messer oder Speer. Wenn man
dieses mit den drei Giften vermischt, erhält man das so genannte ‚gemischte Blut’. Man
braucht es für Rituale mit einem Abbild oder Ebenbild [in deren Verlauf der ‚Feind’
oder das Hindernis ‚in effige’ beseitigt wird] und für die magische Waffen Aktion mit
dem ‚Horn des lärmenden Gelages’.
Wie dem auch sei, absolute Voraussetzung für die Durchführung solcher Aktionen ist, dass der Praktizierende eindeutige Erfolgszeichen im Hinblick auf die drei Stadien von Annäherung, Vollendung und Aktion in der Meditationspraxis der Drei Wurzeln [von Guru, Deva und Dakini; oder Lama, Yidam und Khandro] an sich beobachten kann. Der Praktizierende muss tatsächlich die Kräfte entwickelt haben, dass er die zehn Klassen hinderlicher Wesenheiten zuerst herbeibefehlen und befreien kann, um sie schließlich in eines der Reinen Länder oder Buddha-Gefilde zu geleiten. Er muss ein Tantra-Meister sein.
Es gibt zwei Arten von Ngakpas: die mit Übertragung im Rahmen der Familie (rigs rgyud) und jene mit Dharma-Übertragung (chos ryud). Ngakpa-Linien in der Familie gehen von Generation zu Generation vom Vater auf den Sohn über. Im Rahmen der Nyingma-Überlieferung ist die Linie der Mingling Trichen Rinpoches ein Beispiel für die Übertragung im Rahmen der Familie; darüber hinaus gibt es die Linie von Sakya Trinzin Rinpoche, als Thronhalter über Dharma-Potrang Linie.
Ngakpas mit Dharma-Übertragung gibt es in den Nyingma wie den Sarma-Traditionen. Geburt in eine Ngakpa-Familie ist keine Voraussetzung, denn jeder kann in das Mandala des Tantras eintreten, indem er Einweihung, Autorisierung und Praxisanleitung erhält. Wer immer diese Übertragungen in der korrekten Form erhalten hat, braucht sich dann nur authentisch der Sadhana-Praxis [mit ihren drei Stadien] von Annäherung, Vollendung und Aktion zu widmen.
Ngakpas dieser Art schneiden sich nicht die Haare, sondern lassen sie lang wachsen. Sie tragen gewöhnlich ein simples weißes Gewand. Ihr Geist ruht im ihm eigenen unerschaffenem natürlichen Zustand. Dies sind die drei Aspekte des Freiseins von Tücke eines Ngakpas (ma bcos rnam gsum gyi snags pa).
In der Umgangsprache spricht man von ‚weißen’, schwarzen’ und ‚vielfarbigen’
Ngakpas. Man spricht von ‚weißen Ngakpas’, wenn sie sich ausschließlich von
Almosen oder dem Auszug der Essenz der Elemente ernähren, wenn sie nur eine
einziges weißes Baumwollgewand als Kleidung tragen und ihr Leben ausschließlich der
Sadhana-Praxis widmen. ‚Vielfarbige Ngakpas’ ziehen sich nur drei Monate pro Jahr
zum Retreat zur Praxis in der Einsamkeit zurück und führen in der übrigen Zeit Rituale
zum Wohl der Laiengemeinde durch. ‚Schwarze Dorf-Ngakpas’ verfügen entwederüber Dharma-Übertragung oder eine Familienlinie; sie verbringen weniger als sieben
Tage im Retreat, aber führen Rituale zum Wohl der Dorfgemeinschaft durch. Das sind
allgemein bekannte umgangsprachliche Wendungen.
Heute gibt es in Tibet nur noch drei sehr bekannt Ngakpa Zentren. In der Gegend von Amdo leben die Rekong (reb kong) Ngakpas. Sie tragen ihr Haar gewöhnlich lang und verfilzt; sie haben zumeist ein rotes Gewand und, über die Schulter geworfen, einen vielfarbigen Schal. Die Vajra-Meister dieses Zentrums sind ähnlich gekleidet, nur dass sie gewöhnlich einen weißen Yogi-Rock anhaben.
Das Zentrum in Chakri Phurdrak (chags ri’l phur brag) ist ähnlich, ein Ort, wo die Keimsilbe ‚A’ spontan auf einem Felsen erscheint. Die der Regierung dienenden Ngakpas dort sind ähnlich angezogen wie gerade beschrieben.
An der Grenze zwischen den Provinzen Ü und Tsang gibt es in Shang Zabphulung (shangs zab phu lung) eine Gemeinschaft von Ngakpas, die man allgemein als die‚Zaphu’ Ngakpas kennt. Sie schneiden sich nicht die Haare und tragen zu ihrem weißen Yogi-Rock einen vielfarbigen schalartigen Überwurf. Dort darf man sich das weiße Gewand anlegen, wenn man zuerst die allgemeinen vorbereitenden Übungen abgeschlossen, sodann die Ansammlungen und Läuterungen der besonderen vorbereitenden Übungen vollendet und schließlich Einweihung, Textübertragung und detaillierte Praxisanweisungen für die Praxis von Lama Gongdu erhalten hat. Mit Beginn meines 27 oder 28. Jahres habe ich selbst für mehrere Jahre in diesem Ngakpa Zentrum gelebt.
Ganz allgemein, gibt es in Tibet viele Ngakpa Zentren, aber man kann sie unmöglich alle einzeln aufführen oder ihre Geschichte erklären.
Vor einer Reihe von Jahren hatte das Büro für Religiöse Angelegenheiten der tibetischen Regierung in Dharamsala in Indien einmal eine Zusammenkunft für fünf Tage veranstaltet, unter dem Thema der besonderen religiösen und säkularen Belange. Dort kamen die Sanghas von Mönchen, Nonnen und Ngakpas zusammen, mit dem Ziel 100,000 Tsog-Opfer gemäß dem Rigzin Dungdrub aus Rigzin Godems ‚Nördlichen Schätzen’ (Jang Ter) zu vollenden.
Bei dieser Gelegenheit behandelten die anderen Sanghas die Ngakpas anfänglich herablassend und bezeichneten sie als ‚phagen’. Die allgemeine Anweisung des Büros für religiöse Angelegenheiten lautete damals, dass jedes Sangha-Mitglied 5 Rupien pro Tag erhalten sollte, die man aber den Ngakpas [am ersten Tag] nicht gab. Am folgenden Tag beschlossen ich und eine Gruppe von Ngakpas, dass wir das Tsog-Fest in weißen Gewänder gekleidet und im Schmuck aller unserer Ngakpa-Zeichen besuchen würden; würde man uns dann den erforderlichen Respekt verweigern oder das uns zustehende Geld vorenthalten, würden wir die Angelegenheit nicht nur direkt vor S.H. dem Dalai Lama vorbringen, sondern uns auch an die Medien wenden. Am nächsten Morgen erschienen wir dann wie geplant. Als wir am Tor der Versammlungshalle anlangten, saßen dort ein paar Angestellte des Büros für religiöse Angelegenheiten auf Hockern, um Spenden einzusammeln. Sobald sie uns kommen sahen, sagten sie: „Schaut mal, hier kommen ein paar gut aussehende Ngakpas!“ Ein anderer ergänzte: „Das sind Ngakpas von Tso Pema.“ Später bekamen wir unsere 5 Rupien ohne weitere Diskussionen.
Wir Ngakpas sind selbst schuld, wenn man uns von oben herab behandelt. Es ist durchaus in Ordnung, wenn ein Ngakpa Vater seiner Kinder ist. Aber wenn Ngakpas die Versammlungshalle mit Furcht betreten, wenn sie sich nicht an ihrem [angestammten] Platz in die Versammlung einreihen, wenn sie sich den Kopf scheren oder zum geschorenen Kopf sich gar Mönchsroben anziehen und auf die Zeichen ihrer Ngaka-Würde verzichten, dann passieren solche Sachen.
In den angrenzenden Ländern wir Sikkim und Bhutan gibt es Ngakpas, die weder ihr
Haar lang tragen noch sich den weißen Yogi-Rock anziehen. Sie kleiden sich in
Mönchskluft, obwohl sie eine Frau haben und Träger einer Familienlinie sind. Man
kennt sie als ‚Serkhyim’ Ngakpas. Auch in Tibet selbst gibt es einige solcher Ngakpa-
Zentren. Dort heißen sie Wönpo (dbon po). Die Wönpo-Ngakpas scheren sich das Haar
aber kleiden sich in formlose Chupas. Sie tun so als ob sie Ngakpas seien, aber machen
Geschäfte und führen Rituale für gewöhnliche weltliche Ziele aus, so dass sie eigentlich
weder Ngakpas noch Mönche sind. Die gewöhnliche Chupa ist das typische
Laiengewand.
Früher einmal bat mich der damalige Kronprinz von Sikkim, ein Zentrum für Drei-
Jahres Retreats aufzubauen. Als der Retreat-Leiter die Retreat-Grenzen aufhob und die
Teilnehmer entließ, besuchte Chatral Rinpoche sie. Bei dieser Gelegenheit sagte er, dass
der Retreat nun zu Ende wäre und Sikkim deswegen ein Ort besonders geheiligt für die
Praxis Guru Rinpoches. Wenn alle Teilnehmer sich von nun an ausnahmslos nicht die
Haare schneiden ließen und Ngakpa-Gewänder trügen, würde dies das ganze Land
Glück großes Glück verheißen. Ferner erklärte er, der Kronprinz sollte nicht Junggeselle
bleiben, sondern eine Gefährtin von reinem Herzen finden. Seine Anweisungen waren
absolut eindeutig.
Es sprengt die Grenzen des möglichen Ausdrucks und ich kann hier nicht mehr schreiben über die höchste Übertragungslinie des Dharma und die NgakpaÜbertragung als Familientradition, über jene außergewöhnlichen Menschen, die in ihrer Person die Lehren der Praxis-Linien verkörpern, die großen Vidyadharas aus Indien wie die erhabenen tibetischen Meister der Kama- und Terma-Überlieferung, die über die drei Tugenden von Wissen, Liebe und Charisma verfügen.
Überdies untersagt das siebente [Ngakpa] Samaya-Gelübde, geheime Lehren vor Wesen
zu offenbaren, die dafür noch nicht reif sind. Deswegen heißt das Fahrzeug des
Geheimen Mantras so wie es heißt, weil es tatsächlich geheim ist. Die Lehren des
Geheimen Mantras sind nicht mit Makel behaftet und müssen deswegen vor Wesen
geheim gehalten werden, die ungeeignet sind oder die falsche Sichtweise haben. Es
gibst bestimmt viele verborgene Yogis und Yoginis, die die Übungen der tantrischen
Abteilungen des höchsten Vajrayana gemeistert und die zwei Arten der Wunderkräfte
(siddhi) entwickelt haben.
Kolophon: Diese kurze Übersicht über die weiß gewandeten Ngakpas mit langen Haaren wurde auf Bitten einiger
Dharma Freunde gegeben, die den Titel des Ngakpa oder der Ngakmo tragen, an erster Stelle der Träger der Ngakpa-
Linie Tenzin Samphel und die Französin Kechog Zangmo.
Niedergeschrieben auf der Grundlage von Verständnis, Bewusstheit und Erfahrung von Kunzang Dorje, einem
Ngakpa aus der Übertragungslinie der Horja-Familie, in seinem 70. Lebensjahr, dem Jahr des Erd-Hasen im
Zentrum Tsogyal Gephel Jong, das zu Füßen von Yanglosho liegt, einem heiligen Ort im Land Nepal.
2004 übersetzt ins Amerikanische Englische unter dem Beistand von Lopön Orgyan Tenzin
Deutsche Übersetzung Choyin Dorje 2009
Anmerkungen des Übersetzers:
1.
Snags Pa: die allgemein übliche Bezeichnung für eingeweihte Tantra-Praktizierende, die
keine Mönchen sind, aber ebenfalls nicht zur Laiengemeinde zählen.
2.
Ser Khyim Pa: Laut Lopön Orgyan Tenzin verweißt der Name Serkhyimpa auf die
Tatsache, dass es es sich um Praktizierende in gelben (ser) monastischen Gewändern
sind, die im Stand des Haushälters (khyimpa) leben.
3.
Laut Text hat Trisong Detsen von 790 bis 844 u.Z. gelebt, aber ich habe mich an die
allgemeiner akzeptierten Daten von 790 bis 858 gehalten.
4.
Laut Text hat Ralpachan von 866 bis 896 regiert, aber ich habe mich an die allgemeiner
akzeptierten Daten von 813 bis 836 gehalten.
5.
Mdos: das wichtigste unter den so genannten ‚Freikauf’ oder ‚Verpflichtungs-Ritualen’,
allgemein verwandt um Schaden und Hindernisse abzuwenden, die von Lha, Nyen, Lu
und den acht Klassen [lokalen] Göttern und Geistern verursacht wurden. (siehe auch
Namkhai Norbu, Drung, Deu and Bon, Dharmasala, 1995, S. 77). Es gehört zu den
Ritualen des Unterdrückens [negativer Kräfte]; die Rituale des Verbrennens und Werfens
sind weiter unten im Text erklärt.
6.
Ham Khung, oder gleichbedeutend Brub Khung: ein schwarzer Eisenbehälter in Form
eines Dreiecks für den Gebrauch bei Opferritualen. Jede Konfiguration von drei
Punkten zwischen Erde, Himmel, Tälern, Flüssen und so weiter oder zwisch drei am
Boden markierten Punkten kann demselben Zweck dienen (Kyabje Kunzang Dorje
Rinpoche 2002).
7.
Zhung B’eu Tshang Ba’i Dgra Bo: Die zehn zu vernichtenden Feinde sind: 1) Wesen die der
Lehre des Dharmas schaden; 2) Die die Drei Kostbarkeiten verleumden; 3) Die vom
Besitz des Sangha stehlen; 4) Die dem Mahayana übel nachreden; 5) Die dem Lama
schaden; 6) Die Zwietracht unter Dharma-Geschwistern und in der Vajra-Familie säen;
7) Die die Praxis behindern; 8) Die nicht auf Liebe und Mitgefühl bauen; 9) Die ihre
Samaya-Gelübde brechen; 10) Die falsche Ansichten über das Karma und seine Folgen
verbreiten.
8.
Bden Pa Gsum: Die Drei Wahrheiten – 1) Die absolute Wahrheit von Transzendenz oder
Leerheit; 2) Die relative Wahrheit zeitgebundener Erscheinungen; 3) Die Unteilbarkeit
von absoluter und relativer Wahrheit.
9.
Me Lha: Eine den Feueropfern zugeordnete Gottheit, mit Agni dem altindischen Gott des
Feuers verwandt.
10.
Ling Zor: ‚Ebenbild’- oder ‚Nachbild-Torma’ oder ‚Opferkuchen’; das Schaden
verursachende Wesen wird rituell in den ‚Ebenbild-Opferkuchen’ gebannt und dann
zum Zweck seiner Vernichtung weg geworfen. (Lopön Orgyan Tenzin).
11.
Gsal Ba Gsum: Die drei Aspekte der Visualisierung beziehen sich auf die so genannte
Erzeugungs-Stufe der tantrischen Meditation (kye rim); sie sind: 1) Klare Schauung der
Erscheinung der Gottheit; 2) Ununterbrochene Wahrung des Stolzes der Gottheit; 3)
Gewahrsein des reinen, nicht-stofflichen Wesens der Gottheit.
12.
Zor Zlog: Rituale mit Hilfe von Mantras und Visualisierungen zur Ermächtigung von
Substanzen und Gegenständen als magische Waffen; dann zur Abwehr von Feinden und
schädigenden oder hinderlichen Kräften eingesetzt.
13.
Thun Zor: ‚Thun’ bezeichnet ein Mantra, das als magische Waffe zum Einsatz kommt.
Nach Aussagen von Lopön Orgyan Tenzin braucht man darüber hinaus kein
tatsächliches magisches Werkzeug: Die eigentliche Waffe ist die Rezitierung des
Mantras. Laut Namkhai Norbu (Op. Cit. S. 257) verweist ‚thun’ hingegen auf das
magische Werkzeug, das mit Hilfe von Mantras ermächtigt wurde und dann im Verlauf des Zor Zlog Rituals aus dem Horn heraus geschleudert wird.
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Saraswati Bhawan Nepal